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Vom zarten Charme der groben Sau

Wintter, Joseph Georg (1751 München 1789). Grobe Sau vor zischelnder Schlange. Stehend unter Waldbaum. Radierung. 1784? 9,9 x 14,8 cm.

Niemeyer 57. – Nagler nicht zuordbar, sofern nicht dessen Sammel-Nummer 21 zugehörig. Kompositionsmäßig aber dem großformatigeren „Wildschwein am Baume“ (Niemeyer 28; Nagler 8, 3) aus 1784 zugehörig. So denn auch von früherem Besitzer mit Bleistift bezeichnet „J. G. Wintter 1784 sc.“. Von anderer alter Hand zudem „Cat. No. 1299“. – Im oberen rechten weißen Plattenfeld bzw. Papierrand vier ganz schwache Braunflecken, sonst bestens.

Schon nicht mehr in der frühestens 1821 erschienenen Augsburger Sammelausgabe Schwerdt III, 190, a ( „Rare“, 1928 ) präsent gewesen. Solchermaßen denn

Besonders seltener ,

Joseph Georg Wintter, Grobe Sau vor zischelnder Schlange

herrlicher Abdruck wohl vor der Schrift

auf breitrandigem leichten Bütten mit Torso eines typograph./figürl. Wasserzeichens.

Wie Weigel denn auch gelegentlich der hier nicht weiter nachweisbaren 137blätt. Komplettausgabe per Pos. 21336 seines Kunstlager-Catalogs dem Frühvollendeten 1857 attestierte:

„ Die meisten Blätter sehr selten .“

Pate gestanden haben für dieses graphisch ganz delikate Blatt dürfte Ridinger’s 1738er Der Bæhr erschreckt (Th. 432), doch

welch eine „ Leichtigkeit des Seins “ hier !

Wintter war kurfürstlich-bayerischer Hof- und Jagdkupferstecher und Mitglied der kurfürstl. Akademie zu Düsseldorf und avancierte 1787 noch zum Hof-Cammerrat als

„ (u)nter denen zahlreichen Hof= und Freykünstlern

des Churfürstl. Pfalz=Bayerischen Hofs “ selten

(Forstcameralisten-Papst Wilhelm Gottfried von Moser, Jg. 1729, aus der „berühmten Cameralistenfamilie“ [Heß in der ADB] 1788 im Forst-Archiv [IV, 280 ff.]), der gleichwohl bis heutigen Tages außerhalb des kleinen, gleichwohl zunehmenden Circels intimer Kenner im Windschatten des übermächtig nachwirkenden Ridinger verblieb, unbeschadet aufmerken lassender Stimmen gewichtiger Zeitgenossen wie eben von Moser mit seinem so zwar nicht zu übernehmendem résumé

„ immer besser als Riedinger “

oder des gleichaltrigen Lorenz von Westenrieder (Jg. 1748, Theologe, namentlich aber Historiker; „hat überhaupt ein empfängliches Auge für landschaftliche Schönheiten“ [Höhn]), der ihm in seinem 1783er Jahrbuch der Menschengeschichte in Bayern höchstes Lob widerfahren ließ und 1785 an den Lessing-Freund und Leipziger Schauspieldichter Weisse schrieb:

„ Dieser Mann besitzt außerordentliche Fähigkeiten .“

Seinen Niederschlag findend schließlich im statement Thieme-Becker’s XXXVI (1947), 79 f.

„ Nächst Ridinger der beste deutsche Jagdschilderer des 18. Jahrh. “,

nachdem aber schon 1909 bzw. 1921 Höhn (Studien zur Entwicklung der Münchener Landschaftsmalerei v. Ende d. 18. u. v. Anfang des 19. Jh.: „einer der frühesten“ innerhalb der „ersten Anfänge der Münchener Landschaftsmalerei“) bzw. Wolf (Die Entdeckung der Münchener Landschaft, abbildend sieben seiner Radierungen) ihn in von der Jagd abgekoppelte Startlöcher versetzt hatten.

Hiesige wieder, wenngleich einem Nebengleis, der Jagd zugehörige Arbeit solchermaßen für sich selbst sprechend. Und zugleich auch diesbezüglich Nagler’s 1851er Anmerkung im Künstler-Lexicon bestätigend, wonach er

„ am liebsten … jedoch seine Studien auf dem Wildanger “ selbst machte .

Und, fortfahrend, seine „Radierungen sind trefflich und stehen in der Behandlung zwischen jenen von Hollar und Riedinger“. Um schließlich 1863 im Monogramm.-Lexikon (III, Nr. 68) nochmals ausdrücklich auf die Seltenheit dieser schönen Blätter hinzuweisen. Eines derselben denn heute + hier.

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„ Ihre Schriften der (ridinger handlung niemeyer) Nr. 25 ist ein wundervolles Kompendium. Ich danke Ihnen diesmal besonders für die Sendung und bin sehr froh, die Zusammenstellung zu haben … “

(Herr G. K., 25. Dezember 2011)